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Paktierende Gewerkschafts”führer”

Von Klaus Wallmann sen | 5. April 2011

Ein hübsches Beispiel für ihre Klassenzusammenarbeitspolitik liefert derzeit die IG Metall Küste. Der “Kampf” ihrer “Führer” für die Interessen der Arbeiter und Angestellten scheint vor allem darin zu bestehen, mit den Arbeit”gebern” zu kungeln, während sie sich ihre Geistesarbeit von den Gewerkschaftsmitgliedern bezahlen lassen. Das Ergebnis ihres angestrengten Nachdenkens mündet in diesem Fall in einen “Flexibilitätspakt” zwischen den Ausgebeuteten und den Ausbeutern.

Allein der Begriff “Flexibilität” sollte mißtrauisch machen, ist er in der Regel doch mit intensiver Ausbeutung und existenzieller Unsicherheit auf Seiten derer verbunden, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Also eher eine demagogische Wortschöpfung derer, die aus der Nutzung der Arbeitskraft ihre Profite ziehen. Die Verbindung mit dem Begriff “Pakt” macht deutlich, daß dieses neuartige Modell nur zum Schaden der Kollegen sein kann. Denn wer mit dem Teufel essen will, braucht bekanntlich einen langen Löffel, den die reformistischen Gewerkschaftsführer aber nicht zur Verfügung stellen wollen.

Dieser “Flexibilitätspakt” soll der Beitrag der IGM-Führung zur Regulierung der Leiharbeit sein, was vor allem heißt, daß sie den unwürdigen Handel mit Menschen offensichtlich für völlig korrekt hält, und also nicht abschaffen will. Der Pakt soll dafür sorgen, daß in den Tarifverträgen zukünftig gleiche Löhne für Leiharbeiter und Stammbelegschaften festgeschrieben werden. Was natürlich eine völlig berechtigte Forderung ist. Nur setzen die Gewerkschafts”führer” eben nicht auf die Kampfkraft ihrer Organisationen, nicht auf die kämpferischen Aktionen ihrer Mitglieder, sondern auf Kungelei und Kumpanei – was sie natürlich als so etwas wie “Interessenausgleich” verstehen. Denn darauf zielt es ab, wenn der Pakt der Gegenseite mehr “Spielräume für Arbeitszeitkonten, Überstunden und befristete Arbeitsverträge” geben will (WSI-Tarifarchiv).

Verbunden ist das mit einem eigenartigen “Verständnis” für die Interessen des Kapitals, was der IG-Metall-Tarifexperte Friedrich im “Handelsblatt” so zum Ausdruck bringt: “Auf der anderen Seite sehen wir durchaus das Interesse der Betriebe an einer flexiblen Personalplanung.” Der Pakt soll “beide Aspekte in einer ganzheitlichen Perspektive zusammenzubringen”. Das ist ganz offene Klassenzusammenarbeitspolitik, die Zugeständnisse an die ausgebeutete Klasse mit Zugeständnissen an die herrschende Klasse erkaufen möchte. Mit dem Ziel, die Klasse der Lohnarbeiter – mögen sie Arbeiter oder Angestellte sein – ruhig zu halten, indem man die objektiven Klassengegensätze verschleiert. Wobei der Gewinn für die Herrschenden jedesmal der größere ist. Denn jeder “vernünftige Kompromiß”, den die Gewerkschafts”führer” mit den “Unternehmern” aushandeln, ist ein Sieg für diese, und eine – zumindest moralische – Niederlage für die Arbeiter und Angestellten – weil sie deren Mut und die Kraft zum Widerstand nicht stärkt, sondern schwächt.

Dessen müssen sich die “einfachen” Gewerschaftsmitglieder endlich bewußt werden. “Endlich” deshalb, weil die “Revolutionäre Gewerkschaftsopposition” (RGO) bereits 1930 in einem Aufruf feststellte: “Der eigentliche Apparat der Gewerkschaften ist durch eine chinesische Mauer von den Mitgliedermassen abgeriegelt … Man kann aber heuzutage mit demokratischen Mitteln nicht mehr nur einen einzigen Gewerkschaftsangestellten von seinem Posten entfernen. Der Gewerkschaftsapparat ist nicht zur Verteidigung der Interessen der Mitgliedermassen zu gewinnen.” (Der Arbeiterverrat der Gewerkschaftsbonzen)

Daher gilt auch noch heute, was Rosa Luxemburg schon 1910 sagte, daß “auch auf politischem Gebiet jeder Schritt vorwärts, daß jedes politische Recht nicht anders, als durch die arbeitenden Massen selbst in einer großen kühnen Aktion oder vielmehr in vielen langen Aktionen der Massen draußen auf der Straße erworben werden kann.” (Der politische Massenstreik und die Gewerkschaften)

Auf der Straße, mit einer kämpferischen Gewerkschaft – und nicht mit einem tarifpolitischen “Dialog” zwischen reformistischen Gewerkschafts”führern” und “Unternehmern”, nicht mit Pakten zwischen Feuer und Wasser.

Klaus Wallmann sen.

sh. auch: IG-Metall-”Flexibilitätspakt”: Befristete Jobs besser als Leiharbeit? vom 07.04.2011 bei rf news online


Stichworte: Arbeiter, Arbeiterklasse, Ausbeutung, Flexibilisierung, Gewerkschaft, IG Metall, IGM, Kampf, Kapital, Klassenkampf, Klassenzusammenarbeitspolitik, Leiharbeit, Leiharbeiter, Lohnarbeit, Pakt, Profite, Reformismus

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Thema: Arbeit/Gewerkschaft, Politik | 1 Kommentar »
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1 Kommentar zu “Paktierende Gewerkschafts”führer””

  1. Pewi meint:
    5. April 2011 um 12:09

    Gleicher Lohn für gleiche Arbeit in der Leiharbeitsbranche ist nur eine Worthülse ohne Inhalt. So wie Leiharbeit bei uns organisiert ist, wird der Leiharbeiter von der Leiharbeitsfirma bezahlt, die – wenns hoch kommt – einen eigenen Leiharbeitertarifvertrag hat. Somit ist die berechtigte Forderung “Gleicher Lohn für gleiche Arbeit” nur Augenwischerei, weil das schon vom Ansatz her nicht machbar ist. Eine Leiharbeitsfirma bietet für einen bestimmten Tarif seine Leiharbeiter an. Damals, als ich noch Leiharbeiterin war (zu anderen Zeiten), musste das Unternehmen für mich ca. gut das doppelte zahlen von dem, was ich bekam. Das Unternehmen, was mich auslieh, wusste nicht, was ich als Lohn bekam. Bei der Diskussion über Leiharbeit muss daher erst einmal über die Änderung von Strukturen geredet werden, ehe es um die Entlohnung von Leiharbeit geht. Interessant ist das Modell nur, weil Leiharbeiterrechnungen anders in die Bilanzen eingehen als normale Lohnarbeit. Von der Sache her, musste das Unternehmen pro Tag mehr zahlen, als wenn ich regulär angestellt gewesen wäre, aber sie brauchte keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu machen und keinen Urlaub bezahlen. Das macht Leiharbeit, neben der anderen Kontierung, auch noch interessant.

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