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Millionen stehen auf gegen das Mubarak-Regime

Von Gastautor | 3. Februar 2011

Gestern kamen überwältigende Bilder aus Kairo – zwei Millionen Menschen hatten sich auf dem riesigen Tahrir-Platz im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt versammelt, viele sind dageblieben. Sprechchöre, Plakate, Straßentheaterszenen und vor allem die ultimative Forderung, dass der verhasste Präsident Hosni Mubarak endlich zu verschwinden hat. “Haben Sie keine Angst um ihr Kind”, wurde eine junge Mutter gefragt, die ihr Baby zu diesem “Marsch der Millionen” mitgebracht hat. “Wenn wir nicht gekommen wären, hätte ich später viel mehr Angst um mein Baby!”, antwortete sie den Journalisten.

In allen anderen ägyptischen Städten waren Hunderttausende auf den Straßen, allen Ausgangssperren und Unterbrechungen von Eisenbahnlinien, Handy- und Internetkommunikation zum Trotz. Mubaraks Pseudozugeständnisse kommen zu spät: er wolle im Herbst nicht erneut kandidieren, sagte er in seiner Rede am Abend, Regierungsmitglieder auswechseln wolle er, mit der Opposition reden, seinen Sohn Gamal als Nachfolger einsetzen.

Der ist mittlerweile ins Ausland verschwunden und mit ihm ein geraubtes, auf amerikanischen, britischen, deutschen und Schweizer Banken deponiertes Vermögen von 17 Milliarden US-Dollar. Inzwischen fordert die Armee ein Ende der Proteste, die Demonstranten sollten nach Hause gehen. Doch die haben den kommenden Freitag zum “Tag des Abschieds” erklärt: Mit einer weiteren Großdemonstration wollen sie Mubarak endgültig verjagen.

In seinem Untergang versucht dieses bis auf die Knochen korrupte Regime, das Land ins Chaos zu stürzen. 17.000 Schwerverbrecher aus den Gefängnissen werden freigelassen mit dem Auftrag, zu morden und zu plündern, um ein Eingreifen des Militärs zu rechtfertigen und die Massenbewegung in Verruf zu bringen. Auf den Tahrir-Platz wurden zahlreiche Zivilpolizisten eingeschleust – wachsam und diszipliniert vereiteln die Demonstranten viele Provokationen. Die Massen organisieren sich selber. In den Stadtteilen Kairos haben sich Selbstschutzkomitees gebildet. Oft, wie im Kairoer Stadtviertel Harafin, sind es junge Arbeiter, die mit gut organisierten Gruppen vor allem von Jugendlichen die Zugänge zu ihrem Viertel kontrollieren, Plünderungen und Provokationen verhindern.

Das von Tunesien ausgehende Signal zum Aufstand lässt die ganze Region erbeben. Im Jemen hat der seit 33 Jahren herrschende Präsident Ali Abdullah Saleh nach Massendemonstrationen in der Hauptstadt Sanaa den Rückzug angetreten. Der jordanische König tauschte seinen Regierungschef aus. Im Sudan und Syrien werden Massendemonstrationen vorbereitet.

Ekelhaft ist die Heuchelei der westlichen Regierungen, einschließlich der deutschen. Jahrzehntelang haben sie  ihre Statthalter in der Region gefüttert. Diese Regimes gaben auch Rückendeckung bei der Unterdrückung des palästinensischen Volkes durch Israel und sollten, mit Milliarden an Rüstungsgütern ausstaffiert, die Kontrolle über die ölreiche Region sichern. Jetzt plaudert Westerwelle über seine Vorliebe für demokratische Rechte und US-Präsident Obama bittet Mubarak, “zur Seite zu treten”.

Dazu erklärte der ägyptische Journalist Hossam el-Hamalawa: “Wir erwarten uns nichts von Obama, den wir als großen Heuchler ansehen. Aber wir hoffen auf das amerikanische Volk – auf die Gewerkschaften, die Lehrerorganisationen, die Studentenverbände und die Aktivistengruppen, dass sie aufstehen und uns unterstützen. Was wir von der amerikanischen Regierung erwarten ist, dass sie hier komplett von der Bildfläche verschwindet. Wir wollen keinerlei Hilfe, höchstens die Hilfe dabei, dass Mubarak sofort verschwindet, dass alle Militärbasen im Mittleren Osten geschlossen und die Unterstützung des Staates Israel beendet werden.”

Quelle: rf news online, 02.02.11


Stichworte: Ägypten, Aufstand, Massenbewegung, Polizei, Provokation, Regierung

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