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Zum “Abzug” der US-Besatzer aus dem Irak

Von Klaus Wallmann sen | 20. August 2010

440 Soldaten der 4. Stryker-Brigade der 2. Infanteriedivision waren die letzten der US-Truppen, die im Schutz der Nacht Afghanistan in Richtung Kuweit verließen. Die Umstände wecken zwangsläufig die Erinnerung an Vietnam 1975, als sich dort die US-Besatzer und ihre einheimischen Kollaborateure auf ihrer Flucht vor dem “Vietcong” um einen Platz in den letzten Hubschraubern prügelten. Doch diesmal ist das natürlich nicht so, erläutern es uns die bürgerlichen Medien. Alles geschieht planmäßig, Obama löst wiedermal ein Wahlkampf-Versprechen ein und erklärt: “Unsere Kampfmission im Irak ist beendet.”

Ob der “Abzug” nun einer militärischen Niederlage gleichkommt oder nicht, Fakt ist, daß man die irakischen Massenvernichtungswaffen nicht vernichten konnte, weil man sie schlicht nicht fand. Doch auch das tatsächliche Ziel der Aggression, die Installierung eines US-hörigen Regimes, ist bisher nicht erreicht worden. Statt dessen hinterlassen die abziehenden Besatzer ein Leichenfeld, auf dem hunderttausende Iraker ruhen, eine auf Jahre, wenn nicht auf Jahrzehnte zerstörte Infrastruktur und ein Land im Bürgerkrieg. Unsägliches Leid brachte die Bush- und die Obama-Regierung auch über die eigenen Landsleute, die 4.400 getötete Soldaten und zehntausende Kriegsversehrte beklagen dürfen. Sie ließen Leben und Gesundheit, um die Interessen der kleinen Klasse der Herrschenden durchzusetzen.

Natürlich ist der Krieg im Irak jetzt genausowenig zu Ende wie der in Afghanistan. Weiterhin bleiben 52.000 US-Besatzer im Land. Hinzu kommen zehntausende Söldner privater, sogenannter Security-Unternehmen. Und vor allem soll nun eine irakische 100.000-Mann-Armee den Krieg gegen die eigenen Landsleute fortsetzen. Auch die Demagogie geht weiter. Statt “Operation Irakische Freiheit”, soll die Fortsetzung des Krieges nun “Operation Neue Morgendämmerung” heißen.

Wobei uns die bürgerlichen Medien seit Jahren verschweigen, was im Irak tatsächlich vorgeht. Dazu hat rf-news gestern ein Interview mit Awni al-Kalemji, einem Sprecher der Widerstandsbewegung “Irakische Patriotische Allianz” geführt:

rf-news: Was hat es mit dem angeblichen Abzug der letzten US-”Kampftruppen” aus dem Irak auf sich?

Awni al-Kalemji: Von Norden bis Süden, von Ost bis West bleiben bis Ende des Jahres weiterhin 50.000 US-Soldaten im Land. Obama erklärte nur, dass die USA ihre Mission im Irak ändern werden, von der militärischen zu einer so genannten “zivilen Mission”, die dem irakischen Militär helfen soll. Das heißt, es wird nur das Gesicht geändert. Die Besatzung des Irak geht weiter. Gleichzeitig bleiben 100.000 private Söldner im Auftrag der US-Armee im Land. Sie haben genauso Panzer, Waffen usw.

rf-news: Wie leben die Iraker und wie organisieren sie sich?

Awni al-Kalemji: Das irakische Volk leidet sehr unter der Besatzung. Wir arbeiten im Widerstand dafür, das Volk voran zu bringen, dass sie eine Revolution machen gegen die Besatzung und die irakische Regierung. Das ist der einzige Weg, um aus dieser Krise herauszukommen. Der irakische Widerstand erstarkt zur Zeit von Neuem, es gibt Militäraktionen, die Organisationen des Widerstands sind sehr aktiv. Es gibt Demonstrationen im Norden, im Süden, in der Mitte des Irak.

rf-news: In den bürgerlichen Massenmedien hört man nur von Attentaten im Irak, aber kaum von Demonstrationen der Bevölkerung.

Awni al-Kalemji: Ja, wenn eine Bombe explodiert, wird das weltweit berichtet. Aber über den irakischen Widerstand hört man nichts. Die Anschläge haben mit ihm nichts zu tun, gehen zum Teil von der Regierung oder der US-Armee aus. Der irakische Widerstand kämpft in der Grünen Zone, kämpft gegen die Militärbasen, attackiert die Panzer jeden Tag. Mehr als 15 Militäroperationen gibt es täglich vom irakischen Widerstand. Gleichzeitig finden jeden Tag Demonstrationen statt, große und kleine, z.B. gab es am 17. August große Demonstrationen mit Forderungen nach Wasser und Elektrizität in Basra, Kerbala, Bagdad, Nadschaf und weiteren Städten. Dabei kommt es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Es gibt Tote und Verhaftete.

Vergessen darf man auch nicht, daß der Abzug der Besatzer aus dem Irak natürlich unmittelbar mit der Fortsetzung und Eskalierung des Krieges in Afghanistan zu tun hat. Nachdem der Versprechen-Einlöser Obama bereits in den letzten Monaten die Truppenstärke dort drastisch erhöht hat, sollen bis Ende diesen Monats weitere 6.000 Soldaten aus dem Irak nach Afghanistan verschoben werden. Die bürgerliche Presse kolportiert immer wieder gern, daß der Nobelpreisträger auf dem Präsidentenstuhl der USA schon immer gegen Bush’s Krieg war, doch den von diesem angezettelten “Krieg gegen den Terror”, der am Hindukusch zu führen ist, den setzt er uneingeschränkt fort. Doch das ist nur verständlich. Es scheint zwar so, als sei Obama an der Macht, doch tatsächlich ist er nur an der Regierung.

Klaus Wallmann sen.


Stichworte: Afghanistan, Aggression, Besatzung, Bürgerkrieg, Demagogie, Imperialismus, Irak, Krieg, Obama, Propaganda, USA, Widerstand

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Thema: USA | 1 Kommentar »
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1 Kommentar zu “Zum “Abzug” der US-Besatzer aus dem Irak”

  1. Uwe Griebsch meint:
    23. August 2010 um 15:00

    Auch ich dachte an Vietnam, als ich gelesen habe, wie sich die US Armee klammheimlich aus dem Irak zurückzog. Mir ist kein Krieg geläufig, in dem sich ein technologisch überlegener Aggressor gegen den Freiheitskampf des überfallenen Landes auf Dauer durchsetzen konnte. Auch die Sowjetarmee hatte in Afghanistan ein identisches Schicksal.

    Uwe Griebsch

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