Navigation

Artikel

TOP 50

Archiv

Notwendiges


« | START | »

Flächentarife auf der Abschussliste der Kapitalisten

Von Gastautor | 8. April 2010

Dramatisch gesunken ist in den letzten Jahren die Zahl derjenigen abhängig Beschäftigten, die sich bei Lohn und Arbeitsbedingungen auf einen von den Gewerkschaften ausgehandelten Tarifvertrag verlassen können. Nach einer Studie des zur Bundesagentur für Arbeit gehörenden Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) arbeitete im vergangenen Jahr gerade einmal die Hälfte (52 Prozent) aller Beschäftigten in Betrieben, für die ein Branchentarifvertrag galt.

Besonders betroffen sind die neuen Bundesländer. Dort sank die Zahl der in tarifgebundenen Unternehmen Beschäftigten von 56 Prozent im Jahr 1996 auf 38 Prozent 2009, im Westen waren 1996 noch 70 Prozent durch einen Tarifvertrag etwas abgesichert, im vergangenen Jahr waren es nur noch 56 Prozent. Allerdings konnte hier der Abwärtstrend etwas gestoppt werden, die Zahl lag 2008 doch bei 55 Prozent.

In einigen Betrieben (9 Prozent im Westen, 13 Prozent im Osten) gibt es Firmentarifverträge, etwa 20 Prozent der Betriebe erklären, sich an Tarifverträgen zu “orientieren”, was aber zu nichts verpflichtet. Erschwerend hinzu kommt, dass vielfach auch die Flächentarife aufgeweicht wurden – nicht selten mithilfe rechter Gewerkschaftsführer, die sich auf “Öffnungsklauseln” jeder Art einließen. Besonders in kleineren Betrieben sind die Kolleginnen und Kollegen auf individuelle Abkommen mit den Kapitalisten angewiesen.

Zusammen mit der durch Hartz IV verordneten Zwangsarbeit, mit der drastischen Steigerung von befristeten Arbeitsverträgen (mittlerweile sind das 2,7 Millionen Menschen, bei den Neueinstellungen sogar jeder zweite) trägt dies zur erheblichen Ausweitung des Niedriglohnsektors in Deutschland bei. 6,5 Millionen sind davon mittlerweile offiziell betroffen. Seit Jahren gibt es sinkende Reallöhne und im vergangenen Jahr sogar eine Verminderung des durchschnittlichen Bruttolohns.

Statt einen Mindestlohn von 10 Euro und insgesamt tarifvertraglich geregelte höhere Löhne durchzusetzen, will die Bundesregierung die Tarifverträge noch weiter untergraben, Befristungen noch mehr erleichtern. Außenminister Guido Westerwelle schwafelt vom fehlenden Lohnabstandsgebot – sprich er will die Hartz-IV-Sätze noch weiter absenken. Gegen solche Anwürfe gehört eine Erkenntnis am bevorstehenden 1. Mai wieder deutlich auf die Tagesordnung, die so alt ist wie die Arbeiterbewegung selbst: Der Arbeiter ist vereinzelt nichts – er hat nur eine Macht: seine Zahl und seine Organisation!

Quelle: rf news online, 07.04.2010


Stichworte: Befristung, Gewerkschaft, Hartz IV, IAB, Niedriglohn, Niedriglohnbereich, Reallohn, Tarifvertrag

Verwandte Artikel

Thema: Arbeit/Gewerkschaft, Politik | Keine Kommentare »
Pings sind abgeschaltet.

Druckversion Druckversion

· read: 265 · today: 2 · last: 7. August 2014

Kommentare