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Hunger

Von Klaus Wallmann sen | 15. Oktober 2009

Die Zahl der hungernden Menschen in der Welt wird in diesem Jahr erstmals die Milliardengrenze überschreiten. So die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), die angesichts dieser erschreckenden Tatsache noch immer von “punktuellen Erfolgen” södert. Auch die deutsche Welthungerhilfe kann anläßlich der Vorstellung des Welthunger-Index 2009 (WHI) erneut nur klagen und konstatieren, daß mit einer “Besserung” in naher Zukunft nicht zu rechnen sei. Die Weltwirtschaftskrise werde “die Lage” voraussichtlich weiter verschärfen.

Da “kämpfen” sie seit zwanzig Jahren und mehr und das Ausmaß der Armut und des Hungers auf der Welt ist in absoluten Zahlen gewachsen. Was ist das für ein Kampf gewesen? Was ist das für ein “Kampf”, nach dem in Asien 642 Millionen Menschen hungern, im südlichen Afrika 265 Millionen und in Südamerika 53 Millionen?
Wobei dies die Situation des Jahres 2007 ist. Inzwischen dürften die Zahlen weiter gestiegen sein, denn die Weltwirtschaftskrise schlägt besonders bei denen um so heftiger ein, die bereits arm sind und Hunger leiden.

Und während diese Millionen von Menschen hungern – und sterben – “warnt” die Präsidentin der Welthungerhilfe, Diekmann: “Das 21. Jahrhundert droht zum Hungerjahrhundert zu werden.” Und wie immer “appelliert” sie auch wieder an die, deren zwanzigjähriger “Kampf” nichts weiter gebracht hat als mehr Hunger, mehr Elend, mehr Armut. Nun endlich, bei einer Milliarde Hungernder, sollen die “Kämpfer” ihre Versprechungen halten, die Hungerreduzierung ins Zentrum der Krisenbekämpfung stellen. Von der “christlichen” Kanzlerin Merkel “wünscht” sich Frau Dieckmann “größere Anstrengungen”, habe die BRD doch eine globale Verantwortung.

Der evangelischen Hilfsaktion “Brot für die Welt” und der deutschen Sektion der Menschenrechtsorganisation für das Recht auf Nahrung (FIAN) fiel nichts anderes ein, als der internationalen Gemeinschaft “Versagen” vorzuwerfen. Zwanzig Jahre lang und länger sammelte man “Brot für die Welt” und nun stellt man das “Versagen” aller Beteiligten fest. Die Ursachen sind schnell bei der Hand. Die “ungerechte” Handelspolitik der Industriestaaten wird dort ebenso benannt wie die Programme der Weltbank und der Welternährungsorganisation, die “als Konjunkturpakete für die Saatgut- und Düngerindustrie” wirken. Das erstere meint die Handelspolitik der imperialistischen Industriestaaten – wobei uns vorgegaukelt wird, es könne auch einen “gerechten” imperialistischen Handel geben -, das zweite meint die Subventionierung der großen internationalen Saatgut- und Düngermonopole und die damit forcierte neokoloniale Ausbeutung der armen Länder.

Doch wie diese “Kämpfer” gegen den weltweiten Hunger und die Armut solche deutlichen Worte vermeiden, so vermeiden sie die einzig richtigen Fragen. Sie fragen nicht nach den Ursachen des Hungers, denn dann müßten sie die Ursachen bekämpfen und nicht “den Hunger”. Sie fragen nicht nach den Ursachen der Armut, denn dann müßten sie die Ursachen bekämpfen und nicht “die Armut”. Sie fragen auch nicht nach den tatsächlichen Ursachen der Weltwirtschaftskrise, die “die Lage” der Armen und Hungernden voraussichtlich weiter verschärfen wird, denn dann würden sie erkennen, daß diese im kapitalistischen System liegen – genauso wie die Ursachen von Hunger und Armut. Da die Beseitigung der Ursachen für all das Leid, den Hunger und die Armut jedoch die Beseitigung des kapitalistischen Systems ist, “kämpfen” sie lieber weiter ihren Kampf gegen den Hunger, gegen die Armut – um in zwanzig Jahren erneut ihr Versagen zu beklagen.

Der Erzbischof von Olinda und Recife (Brasilien), Dom Helder Camara, hat einmal eine bemerkenswerte Feststellung gemacht: “Gebe ich den Armen zu essen, nennen sie mich einen Heiligen. Frage ich, warum sie nichts zu essen haben, nennen sie mich einen Kommunisten.”

Klaus Wallmann sen.


Stichworte: Agrarmonopole, Armut, Armutsbekämpfung, Ernährung, FAO, Hunger, Krise, Nahrungsmittel, Welthungerhilfe

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Thema: Globalisierung, Politik | Keine Kommentare »
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