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Eine Schwalbe und der Sommer

Von Klaus Wallmann sen | 15. August 2009

Nur noch wenige Wochen bis zur Bundestagswahl – da müssen regierungsfreundliche Nachrichten her. Das Statistische Bundesamt steht zur Verfügung und verkündet, daß das Bruttoinlandsprodukt der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal 2009 erstmals wieder um 0,3 Prozent gewachsen sei. Sofort springt Shootingstar Karl-Theodor (CSU) auf die Medien-Bühne und verkündet das Ende der Krise. Ist doch egal, daß dies nur eine “Erstberechnung” ist, für die gesichertes Zahlenmaterial noch nicht vorliegt. Das dumme Wählervolk wird’s schon schlucken.

Bürgerliche Ökonomen wie der “Chef”volkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, stehen ihm natürlich sofort zur Seite und erklären mal eben das “Ende der Rezession”. Der viel aussagekräftigere Vergleich mit dem Vorjahresmonat, der den enormen Einbruch der deutschen Wirtschaft von 7,1 Prozent deutlich macht, wird dabei zu einer Randnotiz gegenüber dem eventuellen, kleinen “Aufwärts” der Krisenkurve. Gründe dafür sind vor allem die staatlichen Konjunkturprogrammen wie die Abwrackprämie.

Letzterer ist es geschuldet, daß der Inlandsabsatz der deutschen Autoindustrie gegenüber dem Vorjahr um “nur” 4,5 Prozent sank. Doch entscheidend ist deren Außenhandelsumsatz, und der brach um 29,3 Prozent ein. Die negativen Folgen des „Konjunkturprogramm Abwrackprämie” werden nun auch langsam sichtbar. So hat der Branchenverband Arbeitsgemeinschaft Altauto jetzt bekanntgegeben, daß aufgrund des massiven Absatzrückgangs von Gebrauchtwagen für 60.000 Kfz-Mechaniker die Arbeitslosigkeit vor der Tür stehe. Eine Zukunftsaussicht, die sie mit vielen Menschen teilen dürfen – nach den Wahlen! Für 3.700 Arcandor-Beschäftigte und die Mitarbeiter der Hertie-Warenhäuser ist das allerdings schon heute Gewissheit.

Eine “Trendwende” läßt sich aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes nur herauslesen, wenn man sein Geld als bürgerlicher “Chef”volkswirt oder Ähnliches verdient. Selbst wenn die Krise vorbei ist, wäre eine sofortige Belebung ein kleines Wunder. Gewöhnlich folgt dem Ende der Krise eine Phase der Depression, die von einer weiteren Steigerung der Ausbeutung der Werktätigen begleitet wird. Welches Ausmaß diese Depression haben wird, daß kann uns auch der ach so beliebte Herr Wirtschaftsminister nicht sagen. Will er auch nicht, denn sein Wahlkampf-Motto lautet: Beschwichtigung der Massen durch Verschleierung der Ursachen und Folgen der tiefsten Krise des Kapitalismus. Eine Schwalbe macht für Karl-Theodor einen Sommer.

Klaus Wallmann sen.


Stichworte: Abwrackprämie, Aufschwung, Bundestagswahl, Depression, Krise, Wahlkampf

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Thema: Leserbrief, Politik | Keine Kommentare »
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