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Januar 2013: 7.085.000 Leistungsempfänger

Von Klaus Wallmann sen | 1. Februar 2013

Die Zahl der offiziell registrierten Arbeitslosen ist im Januar wieder über die für die Monopolregierung demagogisch wichtige 3-Millionen-Grenze gestiegen. Die von den bürgerlichen Medien propagierte Zahl lautet: 3.138.229. Das wären 298.000 mehr als im Dezember und 54.000 mehr als vor einem Jahr. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) nennt dies eine völlig normale Entwicklung. Logisch, denn schlechte Meldungen kann die Monopolregierung gerade im Wahljahr nicht gebrauchen, müssen also irgendwie verbrämt werden.

Deshalb muß auch das Schönrechnen der Arbeitslosenzahl weitergehen. “Arbeitslose, die krank sind, einen Ein-Euro-Job haben oder an Weiterbildungen teilnehmen”, so stellt der Bundestagsabgeordnete Alexander Ulrich (LINKE) fest, fallen schon länger aus der offiziellen Statistik heraus. Nach seiner Rechnung waren im Januar tatsächlich gut 3.912 Millionen Menschen arbeitslos.

Der Herr Weise, Vorstandschef der BA, verweist auf die schrumpfende deutsche Wirtschaft und die schwache Weltkonjunktur, redet aber weiter der “Robustheit” des deutschen Arbeitsmarktes das Wort. Unisono mit Herrn Hundt, dem Chef des Kapitalistenvereins BDA, der den Anstieg der Arbeitslosenzahl vor allem auf den “Winter” schiebt. Die Stabilität des Arbeitsmarktes ist laut Hundt viel mehr von den Tarifforderungen der Gewerkschaften bedroht. Forderungen, wie sie z.B. ver.di stellt, “passen nicht in die konjunkturelle Landschaft”, so Herr Hundt. Die naheliegende Metapher einer “winterlichen Landschaft” scheint ihm denn doch ein wenig zu albern zu sein. Davon abgesehen sind für die Hundts und Konsorten Lohnforderungen generell “unpassend”, egal ob es nun Winter oder Sommer ist, egal ob die Wirtschaft sich gerade im Aufschwung oder im Abschwung befindet.

Kommen wir zur Zahl der Leistungsbezieher, die ebenfalls im BA-Bericht genannt, von den bürgerlichen Medien aber gewöhnlich nicht propagiert wird. Was verständlich ist, denn selbst die o.g. Zahl von gut 3.912 Millionen Menschen, die tatsächlich arbeitslos sind, wird unter diesem Sichtwinkel regelmäßig überboten.

1.020.000 Menschen erhielten im Januar Arbeitslo­sen­geld I (Dezember 2012: 875.178), 4.385.000 mußten mit Hartz IV (ALG II) überleben (Dezember 2012: 4.361.811), und 1.680.000 Menschen erhielten Sozi­al­geld (Dezember 2012: 1.683.316). Das sind zusammen 7.085.000 Leistungsempfänger (Dezember 2012: 6.920.305). Selbst diese Zahl zeigt jedoch noch nicht das wahre Ausmaß, denn hinzu kommen noch die Empfänger von Wohn­geld, von Kinderzuschlag, von Grund­si­che­rung im Alter oder von Sozi­al­hilfe nach SGB XII. Ganz abgesehen davon, daß im BA-Bericht ständig von Untererfassung, Schätzung und Hochrechnungen gefußnotet wird.

Weitere 4.026.000 Menschen waren laut BA-Bericht im Januar “unterbeschäftigt” (Dezember 2012: 3.812.526), und 861.000 nahmen an sogenannten Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik teil (Dezember 2012: 935.607) – fließen also nicht in die offizielle Arbeitslosenzahl ein.
Den Arbeitslosen standen in diesem Zeitraum 405.000 gemeldete Arbeitsstellen gegenüber (Dezember: 421.000), was mit Blick auf das Vorjahr einen Rückgang um rund 47.000 Arbeitsstellen bedeutet.

Nachdem es den interessierten Kreisen acht Monate gelang, die Zahl der Leistungsbezieher knapp unter der 7-Millionen-Grenze zu halten, wurde im Januar auch diese wieder überschritten.

“Sie (die Bourgeoisie) ist unfähig zu herrschen, weil sie unfähig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner Sklaverei zu sichern, weil sie gezwungen ist, ihn in eine Lage herabsinken zu lassen, wo sie ihn ernähren muß, statt von ihm ernährt zu werden.” So Karl Marx. Und Rosa Luxemburg fragte vor gut 100 Jahren: “Ist nicht die Tatsache allein, daß wir heutzutage … uns fragen, ob … durch einen Machtspruch einer Handvoll Kapitalisten Hunderttausende von Männern und Frauen auf das Straßenpflaster geworfen werden – ist das nicht Beweis genug für den Blinden, daß eine solche Gesellschaftsordnung wert ist, daß sie zum Teufel gejagt wird?”

Klaus Wallmann sen.


Stichworte: Agentur für Arbeit, ALG I, ALG II, Arbeitslose, Arbeitslosenzahl, BA, Bundesagentur, Gesellschaftsordnung, Hartz, Hartz IV, Hundt, Kapital, Kapitalist, Leistungsbezieher, Leistungsempfänger, Luxemburg, Marx, Medien, Statistik

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Thema: Politik | 2 Kommentare »
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2 Kommentare zu “Januar 2013: 7.085.000 Leistungsempfänger”

  1. Ernst Lieffertz meint:
    1. Februar 2013 um 19:11

    Tja, Herr Wallmann, und was ist mit den zum Stichtag krank gemeldeten oder den bei privaten Arbeitsvermittlungen “geparkten” oder den sich in “Maßnahmen”(Praktika, F+U) befindlichen? Nähern wir uns da nicht schon so gaaaaanz langsam den 10 Millionen? Ich habe da so meine Befürchtungen.

  2. Roger meint:
    1. Februar 2013 um 23:39

    Und dann gibt es auch Leute wie mich, die nur von den Eltern leben und noch nie Harz4 bezogen haben.

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