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Kundus-Massaker: Oberst Klein wird General

Von Klaus Wallmann sen | 9. August 2012

Am 12. August 2011 berichtete rz, daß die parlamentarische Untersuchung zum Massaker von Kundus abgeschlossen sei. Während die schwarz-gelbe Regierungskoalition die Entscheidung zum Luftangriff zuvor als “nachvollziehbar” bezeichnete, beurteilten SPD, Grüne und Linke den Luftangriff in Verantwortung der Bundeswehr im Abschlußbericht als klar völkerrechtswidrig. “Und nun? Was geschieht weiter”, fragte ich damals.

Nachdem der damalige “Verteidigungs”minister zu Guttenberg die Bombardierung der Tanklastzüge am 4. September 2009 bei Kundus mit über 100 Toten als “militärisch angemessen” und das Vorgehen des deutschen Oberst Klein als völkerrechtlich legitimiert bezeichnet hatte, nannte selbst der “Spiegel” den Luftangriff ein eindeutiges Kriegsverbrechen:
“Nichts anderes war der Luftschlag von Kundus, und zwar ungeachtet dessen, ob juristische Prüfungen am Ende zu anderen Schlüssen kommen, ungeachtet dessen auch, dass den befehlshabenden Offizieren, allen voran Oberst Klein, der Vorsatz, gezielt Zivilisten zu töten, nicht zu unterstellen ist. Wo aber im Zuge einer tödlichen militärischen Operation derart fundamental Einsatzregeln gebrochen werden, wo letztlich ohne Not, ohne eine unmittelbare Gefahr Bomben auf eine Menschenmenge abgeworfen werden, ist ein Verbrechen anzuzeigen.”

Im April 2010 sprach die Bundesanwaltschaft den Bundeswehr-Oberst Klein von allen Vorwürfen frei. Die Bundeswehrführung brauchte etwas länger für ihre “Ermittlungen”, kam aber zu dem gleichen Schluß. Und da sie nicht einmal “Anhaltspunkte für ein Dienstvergehen” entdecken konnte, kam es nicht einmal zu Disziplinarmaßnahmen gegen den Herrn Oberst. Statt dessen erfolgte sein Wechsel von der 13. Panzergrenadierdivision direkt ins Verteidigungsministerium, verbunden mit einer höheren Besoldungsgruppe (B3) und also rund 600 Euro mehr Einkommen im Monat. Was man wohl als Auszeichnung verstehen darf.

Gestern berichtete der “Spiegel”, daß Oberst Klein Anfang 2013 eine Planstelle beziehen wird, auf der er wie ein Brigadegeneral bezahlt wird. Seine Beförderung zum General soll dann Ende 2013 folgen.
So ehren der imperialistische Staat und seine Militärs ihre Helden – d.h. die, die sie als Helden verstehen.

“Daß der Bundeswehroffizier Georg Klein weiter reibungslos Karriere zu machen scheint, ist mehr als befremdlich, wenn man bedenkt, daß er für den völkerrechtswidrigen Befehl zum Bombenangriff von Kundus am 4. September 2009 verantwortlich ist, dem wahrscheinlich weit über 100 Menschen zum Opfer gefallen sind”, erklärte dazu der verteidigungspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, Paul Schäfer.

Was, lieber Herr Schäfer, ist an so einer Karriere in diesem System so “befremdlich”?

Klaus Wallmann sen.

Siehe auch: Karriere statt Knast

Nachtrag 10.08.2012:
„Die Beförderung wäre ein Schlag ins Gesicht der afghanischen Zivilbevölkerung und käme einer Kriegserklärung gleich“, sagte Hinterbliebenen-Anwalt Karim Popal der heutigen „Neuen Osnabrücker Zeitung“.


Stichworte: Auszeichnung, Bundestag, Bundeswehr, DIE LINKE, Krieg, Kriegsverbrechen, Kundus, Massaker, Militär, Parlament, Regierung, Sold, Staat, Tote, Verteidigungsminister, Völkerrecht

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