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Was Olympia auch ist

Von Gastautor | 28. Juli 2012

Nachdem gestern die 30. Olympischen Spiele in London feierlich eröffnet wurden, wirft die “Rote Fahne” in ihrem Leitartikel einen kurzen Blick darauf, was Olympia neben all den sportlichen Wettkämpfen und der Begeisterung von Milliarden von Menschen auch ist.

Großbritannien steckt aber auch tief in der Weltwirtschafts- und Finanzkrise. Zurecht ist der “bedeutendste Finanzplatz der Welt”, die Londoner “City” als Zentrale und Symbol kapitalistischer Krisenhaftigkeit in Verruf geraten. Das gern gezeigte Marionettentheater um das britische Königshaus kann davon nur schlecht ablenken.

Olympia ist auch Profitmaschine: Laut Medienberichten explodierten die Investitionen allein in London von 2,4 auf 9,3 Milliarden britische Pfund (11 Milliarden Euro). Für die TV-Übertragungsrechte kassiert das Internationale Olympische Komitee (IOC) 2 Milliarden US-Dollar, 20.000 Medienschaffende sind akkreditiert. Die Sponsoren aus dem erlauchten Kreis der internationalen Übermonopole (unter anderem BP, Dow Chemical, Rio Tinto, Coca-Cola) erkauften sich das Exklusivrecht für die öffentliche Nutzung z.B. der Wörter “Gold”, “Silber”, “Bronze”, “Sommer” und “London” auf jeglicher öffentlicher Werbung. Abstruse Arbeitsergebnisse der IOC-Spione wurden bereits bekannt: So bekam z.B. ein Metzger Schwierigkeiten, der seine Würste nach Art der olympischen Ringe drapiert hatte, verboten wurde ein Wohltätigkeitswettbewerb von Zuckerbäckern unter dem Motto “2012 Kuchen” usw. Allein die Werbeeinnahmen des IOC werden auf eine Milliarde US-Dollar geschätzt.

Gemischte Gefühle herrschen daher unter den Londonern gegenüber den olympischen Spielen. Obwohl die Stadt schon im normalen Alltag am Verkehrsinfarkt fast erstickt, die Arbeiter und Angestellten in Bus oder U-Bahn kaum Platz finden, empfiehlt Bürgermeister Boris Johnson den Berufspendlern aus den Vororten für die nächsten Wochen mal eben das Fahrrad. Von den Milliarden Pfund, die in London für Bauten, Medienparks, Hotels, Sicherheit usw. ausgegeben werden, haben die Menschen nichts, obwohl es zunehmend am Nötigsten fehlt.

Dagegen haben vor allem die Beschäftigten im öffentlichen Dienst den Kampf für Lohnnachschlag eröffnet, die als “Olympia-Streiks” Schule machen. Im Juni streikten die Londoner Busfahrer für einen “Olympiade-Bonus” von 500 britischen Pfund. Auch das Personal der National Gallery, U-Bahn- und Lokomotivführer fordert höhere Löhne – geplante Streiks allerdings wurden jetzt abgesagt.

Vor allem beunruhigt die Londoner und auch viele kritische Journalisten, dass der Staatsapparat für die Spiele rund 40.000 “Sicherheitskräfte” in der Hauptstadt konzentriert, davon 13.500 Soldaten und 10.000 Polizisten. Über der Stadt sollen Abfangjäger kreisen, auf der Themse liegen ein Kriegsschiff als militärische Kommandozentrale und ein Hubschrauberträger vor Anker. Auf Wohnhäuserdächern wurden sogar Boden-Luft-Raketen in Stellung gebracht. London wird zum Schauplatz von Bürgerkriegsübungen.

London 2012: Selten lagen die abartige kapitalistische Profitgier und die massenhafte Begeisterung so dicht beieinander wie bei diesen Spielen.

Quelle: rf news online, 27.07.2012


Stichworte: EU, Finanzkrise, Grossbritannien, Kapital, Krise, London, Medien, Monopole, Olympia, Profit, Staat, Staatsapparat, Streik, Wirtschaft

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Thema: Politik | 2 Kommentare »
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2 Kommentare zu “Was Olympia auch ist”

  1. Kalle meint:
    28. Juli 2012 um 10:43

    …auch das sollte man nicht vergessen, wenn man sich die olympischen Spiele anschaut:

    Millionengeschäfte auf dem Rücken der Pferde

    http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/programdata/ec7f5086-a119-3282-b350-36a3816e802f/20023725?noDispatch=1

  2. picard2606 meint:
    29. Juli 2012 um 13:47

    Empfehlenswert auch der Artikel der taz zum “Greenwashing” bei der Olympiade.

    http://www.taz.de/Grosskonzerne-bei-Olympia/!98221/

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