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Arm trotz Arbeit

Von Klaus Wallmann sen | 17. Juli 2012

Rund drei Millionen Menschen im reichen Deutschland können derzeit von ihrer Arbeit nicht leben. Als sogenannte Aufstocker sind sie zusätzlich auf Sozialleistungen angewiesen. Während deren Arbeit”geber” also Lohnkosten zugunsten ihrer eigenen Profite “sparen”, zahlt der gemeine Steuerzahler deren “Ersparnis”. Tendenz: steigend. Das beweisen auch die Zahlen des Bundesverbands Deutsche Tafel. Demnach hat sich die Zahl der “Bedürftigen”, die sich bei den “Tafeln” regelmäßig nach kostenlosen Lebensmittel anstellen, seit 2005 auf 1,5 Millionen verdreifacht.

“Aktuell bedeutet Arbeit zu haben oder lange gearbeitet zu haben nicht mehr, vor Armut geschützt zu sein”, stellt Tafel-Vorsitzende Häuser fest, und fordert eine gerechtere(!) Sozial- und Steuerpolitik. Nach den Ursachen der gegenwärtigen – und seiner Ansicht nach immer noch gerechten – Sozial- und Steuerpolitik fragt er nicht.

Für das reiche Bayern – das gerade gegen den Länderfinanzausgleich klagt, um den gesellschaftlich erarbeiteten Reichtum im Freistaat zu behalten -, hat die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (LAGFW) ermittelt, daß dort 13,8 Prozent der Bevölkerung offiziell von Armut betroffen sind. Jeder siebente Bürger also. Wobei die Dunkelziffer – wie auch bundesweit – höher liegen dürfte, denn viele nehmen die “aufstockenden” staatlichen Leistungen aufgrund der schlechten Erfahrungen mit Arbeitsamt und ARGE nicht mehr in Anspruch. LAGFW-Vorsitzender Beyer stellte auf der bayerischen Armutskonferenz in der vergangenen Woche zu Recht fest, daß diese Zahlen “mit den Prinzipien eines Sozialstaats … unvereinbar” seien. Was in letzter Konsequenz den “Sozialstaat” als nicht existent beschreibt.

Trotz der Einführung eines Mindestlohn in der Leiharbeit bleibt diese ein maßgeblicher Faktor für das Anwachsen der Armut in Deutschland. Besonders bedenklich die jüngste Erkenntnis der Bundesagentur für Arbeit, daß sich die Zahl der Leiharbeiter in der Gesundheits- und Pflegebranche von 2005 bis 2011 um mehr als 400 Prozent auf 16.350 erhöht hat. Hier wie auch insgesamt stellen Frauen den größten Anteil. Was auch die SPD registriert hat. Diese Frauen haben dadurch “keine soziale Absicherung und sind im Alter von Armut bedroht”, so die stellvertretende SPD-Vorsitzende Schwesig. Lediglich die von der schwarz-gelben Koalition geplante Anhebung der Einkommensgrenze für Minijobs abzulehnen, und statt dessen einen Mindestlohn für Minijobs von 8,50 Euro samt qualifizierten Arbeitsvertrag zu fordern, greift allerdings zu kurz.

Konsequenter ist da DIE LINKE, die die vollständige Abschaffung der Niedriglohnbeschäftigung in Form der Leiharbeit verlangt, wobei man diese Forderung natürlich auf alle Formen der Niedrig- und Niedrigstlohnbeschäftigungen ausdehnen sollte. Hartz IV inklusive.

Klaus Wallmann sen.


Stichworte: Agentur für Arbeit, ARGE, Armut, Aufstocker, BA, Bayern, Bundesagentur, Deutschland, Hartz IV, Leiharbeit, Linke, Lohn, Mindestlohn, Minijobs, Niedriglohn, Niedrigstlohn, Profit, Reichtum, Sozialstaat, Staat, Steuerzahler, Tafel

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