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“Fracking”: Bürgerinitiativen schließen sich bundesweit zusammen

Von Gastautor | 27. Juni 2012

Am letzten Samstag haben sich erstmals bundesweit Bürgerinitiativen gegen das “Fracking” im emsländischen Lünne getroffen. Sie vereinbarten eine gemeinsame, bundesweite Vorgehensweise im Kampf gegen diese umweltverbrecherische Gasfördermethode. Beim “Fracking” (Kurzform von “hydraulic fracturing”) werden Gesteinsschichten in bis zu 5.000 Metern Tiefe durch eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien aufgebrochen, die mit hohem Druck unter die Erde gepresst wird. Durch die dabei entstehenden Risse soll Erdgas aus Bodenschichten entweichen können, die an sich gasundurchlässig sind. Dem Wasser werden dabei hoch giftige Stoffe zugesetzt.

„Bei dem Wasser, das wieder an die Oberfläche gepumpt wird, finden sich hochgiftige und krebserregende Chemikalien. Tonnenweise. Es gibt kein Gesetz, das die Energiekonzerne dazu zwingt, die Bestandteile dieser teuflischen Brühe offenzulegen. Wissenschaftler haben bisher 596 unterschiedliche Chemikalien darin entdeckt. Sie gelangen ins Grundwasser. Von dort ins Trinkwasser, das die Menschen seit Jahren krank macht“. (Dokumentarfilmer Josh Fox, USA)

In Lünne selbst wehren sich die Bewohner seit Monaten gegen geplante geologische Erkundungen und Probebohrungen. „Dass die Gasförderung bereits jetzt zu massiven Problemen führt, berichteten Vertreter aus Rotenburg und Völkersen. Dort kam es seit Jahrzehnten immer wieder zu Boden- und Grundwasser Vergiftungen durch Benzol und Quecksilber. (…) Mehr als 150 Hektar sind alleine in Völkersen betroffen. Im gleichen Raum liegen auch viele Verpressbohrungen, in denen inzwischen mehrere hundert Millionen Liter Abwässer entsorgt wurden. Die Verpressbohrung ‘Völkersen Z4′ liegt dabei in einem Wasserschutzgebiet und nur wenige hundert Meter von einem Brunnen entfernt. Dort wird jährlich knapp 25 Prozent des Trinkwassers für Bremen gewonnen“. (Pressemitteilung des ersten Bundestreffen der „Initiative gegen Gasbohren“)

Angesichts weltweit knapper werdender Ressourcen an Erdgas setzen die internationalen Energiemonopole darauf, bislang unzugängliche Gaslagerstätten vor allem in Schiefergestein auszubeuten. Die weltweit größten Lagerstätten werden unter anderem in Argentinien (Patagonien), Australien und China vermutet. Neben ExxonMobil ist der größte deutsche Erdöl- und Erdgasförderer Wintershall, der zu 100 Prozent der BASF gehört, ein Vorreiter für das “Fracking”.

Auf 2,7 Billionen Kubikmeter Schiefergas schätzt die “Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe” in Hannover die Erdgasvorkommen in Deutschland. Die Energiemonopole erhoffen sich traumhafte Profite, denn mit den Gasvorkommen sollen bis zu 40 Prozent des Gasbedarfs in der BRD gedeckt werden können. Wintershall hat sich am 20 Juni an die neu gewählten Landtagsabgeordneten in NRW gewandt, um sie für ihr “Erkundungsprojekt” zu gewinnen. Damit soll auf eine Entscheidung der Landesregierung in NRW eingewirkt werden, die bis Sommer 2012 zunächst Probebohrungen abgelehnt hat.

Wintershall-Chef Joachim Pünnel erklärt scheinheilig, dass die Debatte rund um das sogenannte “Hydraulic Fracturing” den Handlungsrahmen zunehmend einenge: “Wir setzen deshalb auf eine NRW-spezifische Erforschung der unkonventionellen Schiefergasvorkommen und sollten diese von den nachgelagerten Förderaktivitäten differenzieren”.

Die Bezirksregierung Arnsberg hat bereits die Erlaubnis zu geologischen Erkundungen in zwei Gebieten Nordrhein-Westfalens erteilt. Die Wintershall-Konzessionen “Rheinland” und “Ruhr” erstrecken sich über ein Areal von 3.900 km² und liegen zwischen der deutsch-niederländischen Grenze im Westen und dem Sauerland im Osten. Mittendrin liegt der Essener Süden mit den Trinkwasserreservoiren der Ruhr und dem Baldeneysee …

Im Herbst 2012 soll bundesweit die Entscheidung zur “Umweltverträglichkeit” und zur Förderung von Schiefergas getroffen werden. Der bundesweite Zusammenschluss der Bürgerinitiativen ist ein richtiger Schritt. In der “Lünner Resolution” wurde festgehalten: “Die Erschließung und Förderung unkonventioneller Gasvorkommen ist zu verbieten, Hydraulic Fracturing bei Erschließung und Förderung vom Gas ist zu verbieten. Die Verpressung von Abwässern ist sofort zu verbieten. Das Bergrecht muss novelliert werden. Der Ausbau von regenerativer Energie muss Vorrang vor fossilen Energie haben”. Angesichts der weltweiten Dimension des “Fracking” erfordet die internationale Durchsetzung dieser Losungen die Schaffung einer weltweiten Widerstandsfront.

Quelle: rf news online, 26.06.2012


Stichworte: Bürgerinitiative, Energiekonzern, Energiemonopole, Erdgas, Fracking, Gas, Konzern, Monopole, Profit, Regierung, Rohstoffe, Trinkwasser, Umwelt, Wasser, Widerstand, Wissenschaft, Wissenschaftler

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Thema: Politik, Umwelt | 1 Kommentar »
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1 Kommentar zu ““Fracking”: Bürgerinitiativen schließen sich bundesweit zusammen”

  1. Kalle meint:
    27. Juni 2012 um 16:34

    Zum Protest und Widerstand gegen “Fracking”:

    http://www.gegen-gasbohren.de/initiativen/

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