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Opel Bochum: Keine Werksschließung weder 2014, 2016 noch später!

Von Gastautor | 15. Juni 2012

Heute wurde bei vier selbständigen Aktionen im Opel-Werk Eisenach die Produktionslinie angehalten. Die Kollegen unterstrichen damit, dass sie die Auszahlung der Tariflohnerhöhung sofort verlangen und erklärten: „Wir verzichten nicht dafür, dass Bochum geschlossen wird.” Das war eine Reaktion auf die Pressemeldung von gestern darüber, dass GM/Opel das Werk Bochum nach Auslaufen der Zafira-Produktion 2016/17 stilllegen will. Die Meldung erschien erst mal wie beiläufig nach 18 Uhr über die Agenturen, als viele Opelaner schon mit Gedanken bei der Fußballübertragung des Spiels Niederlande gegen Deutschland waren. Heute morgen waren dann die Nachrichten in den Massenmedien gut vorbereitet und breit gewalzt. Allein das zeigt, dass sich die Bosse von GM/Opel immer noch nicht trauen mit offenen Karten zu spielen. Ihr erklärter Plan, Opel-Bochum bis spätestens 2014 platt zu machen, ist gescheitert.

Der größte Autokonzern der Welt wird mit den 3.100 Beschäftigten von Opel nicht fertig. Dabei haben sie in den USA im Zuge der Weltwirtschaftskrise und Finanzkrise mehr als zehn Werke dicht gemacht. Sie wollten das in Europa in ähnlicher Dimension durchziehen. Dass sie daran gescheitert sind, hat einen Grund: Sie wissen um die Kampfkraft der Opelaner, die diese seit 2000 wiederholt gezeigt haben und sie wissen, dass die Opelaner nicht abwarten, sondern in die Offensive gegangen sind und systematisch ihre Konfrontation mit GM/Opel vorbereiten:

Natürlich wird GM seine Pläne nicht einfach aufgeben. Vor allem nicht vor dem Hintergrund eines neuen Einbruchs in der Weltwirtschaft. Die PKW-Produktion sank im Mai in Deutschland um 20,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Stracke umschreibt das in einem Kauderwelsch. Auf deutsch sagt er, wenn der Absatz zurückgeht, dann muss eben Bochum über die Klinge springen. Aber nicht nur Bochum. „Opel hat derzeit große technische Probleme”, wie uns ein Kollege berichtet hat, “die Anlagen für den Zafira in Rüsselsheim aufzubauen. Wenn das ihnen zu teuer wird, dann machen sie auch dort dicht.“

Der größte Autokonzern der Welt, der inzwischen zu fast 30 Prozent in US-Staatsbesitz ist, weiß genau: mit den Opelanern ist nicht gut Kirschen essen. GM gibt natürlich mit ersten Zugeständnissen  – Schließung 2016 statt 2014 – keineswegs klein bei. Die Angst vor einem für sie unkontrolliertem Kampf beherrscht hastig einberufene Spitzentreffen zwischen Ministerpräsidenten der Länder, Opel-Managern und Gewerkschaftsführer, die man besser als „Krisengipfel in Sachen Opel“ bezeichnen kann. Dass sich IG Metall Chef Bertold Huber und Betriebsratsspitzen dazu hergeben, mit Opel in Verhandlungen über eine „gemeinsame Lösung“ zu treten, kann überhaupt nicht akzeptiert werden.

Rainer Weinmann von der Betriebsrats-Liste „Offensiv“ erklärte heute gegenüber rf-news:

Es soll ein ganzes Paket von Maßnahmen zur Steigerung der Ausbeutung geschnürt werden. Die Arbeitshetze soll bis zum geht nicht mehr gesteigert werden. Über Leiharbeitsplätze soll das Ausbluten der Abteilungen durchgeführt werden. Alle Opelaner in ganz Deutschland sollen auf Urlaubsgeld, die Tariflohnerhöhung und weitere Lohnbestandteile verzichten. Angeblich soll darüber eine Abstimmung im Oktober gemacht werden. Das ist eine Täuschung. Denn schon jetzt wurde die Auszahlung der 4,3 Prozent Lohnerhöhung für Angestellte ab 1. Juni und Arbeiter ab 10. Juni gestundet. Im Betrieb ist eine aufgewühlte Stimmung. Die meisten Kollegen sagen: ‘Kein Verzicht, wir bezahlen doch nicht unsere Beerdigung.’ Nicht wenige kamen zu uns und erklärten: ‘Wenn die IG-Metall-Fürhung es wagen sollte, so ein Paket zu verhandeln, trete ich aus der Gewerkschaft aus.’ Die Kritik ist berechtigt, aber nicht die Schlussfolgerung. Wir brauchen jetzt umso mehr eine starke Gewerkschaft als Kampforganisation. Das sehen auch etliche von den Betriebsräten, die jahrelang die scheibchenweise organisierte Verzichtspolitik mitgetragen hatten. ‘Das war eine falsche Politik’, sagte mir einer heute. Richtig: die Klassenzusammenarbeitspolitik schadet nur den Arbeitern. Wir dürfen uns nicht von faulen Manövern irre machen lassen. So wurde von der Geschäftsleitung signalisiert, dass die Bochumer Opelaner von dem Verzicht auf die Tariflohnerhöhung ausgenommen werden. Die wollen jetzt einen Tod auf Raten durchdrücken.“

Die Forderung muss heißen: „Kein Tod auf Raten!“, „Keine Schließung weder von Bochum noch sonstwo bei Opel und weder 2014, noch 2016 oder später!“ Die Betriebsversammlung am kommenden Samstag ist die Gelegenheit für die Opelaner das Ergebnis ihrer Auseinandersetzung einzubringen, die jetzt in allen Werksbereichen geführt wird.

Quelle: rf news online, 14.06.2012


Stichworte: Arbeitsplatz, Auto, Bochum, Finanzkrise, Gewerkschaft, GM, IG Metall, Klassenzusammenarbeitspolitik, Konzern, Krise, Lohn, Opel, Staat, Streik, Weltwirtschaftskrise, Wirtschaftskrise

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