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Tote sind nicht gut für Damaskus

Von Klaus Wallmann sen | 10. Juni 2012

Steffen Hebestreit, Journalist der “Frankfurter Rundschau” (FR) nennt es ein “ziemliches Dilemma”, in dem die Journalisten der bürgerlichen Medien stecken. Die “Informationen” über Syrien sind nicht überprüfbar, was “seriöse” Medien mit einem kurzen Satz – “rasch überlesen” bzw. überhört – bewußt oder unbewußt zu kaschieren suchen: “Von unabhängiger Stelle konnten diese Berichte zunächst nicht bestätigt werden.” Danach folgt eine Schreckensnachricht, die “in der Regel” von “syrischen Oppositionsgruppen im Ausland”(!) stammt.

Die FR spricht diesem kleinen Satz eine “womöglich … zentrale Bedeutung” zu. D.h. sie vermutet diese Bedeutung nur, ist sich also nicht ganz sicher. Die alte Weisheit, nach der die Wahrheit das erste Opfer eines Krieges ist, versieht die FR mit einem einschränkenden “wenn”, und nur “wenn” dem wirklich so ist, gerate der Journalismus in Gefahr, “zum Opfer” zu werden, weil er dann “zwangsläufig” nicht überprüfte bzw. überprüfbare “Informationen transportiert”. “Unfreiwillig” könnte der Journalismus der “Propaganda” aufsitzen. Das ist das unauflösbare Dilemma – eines blauäugigen Vertreters des bürgerlichen “Qualitätsjournalismus”.

Am Beispiel des “Massaker von Hula” will die FR dieses “Dilemma” deutlich machen. Wobei allein die Tatsache, daß laut Augenzeugen(!) der Organisation “Human Rights Watch” der Angriff von “Aufständischen” auf zwei Kontrollpunkte des syrischen Militärs der Beginn dieses “Massakers” bildete, sowie die Tatsache, daß allein 60 der rund 100 getöteten Menschen einer regimetreuen(!) Familie angehörten, die “Information” eines von Regierungstruppen verursachten Massakers grundsätzlich in Frage stellt. Und stellt man sich in politischer Hinsicht die Frage cui bono – wem nützt es – so liegt die Antwort auf der Hand: Denen, die eine Intervention der westlichen Staaten offen herbeisehnen. Selbst die deutsche Bundesregierung zweifelt laut FR die Urheberschaft des syrischen Diktators Assad an diesen Morden an. Doch wer die bürgerlichen Privat-Medien und das Staatsfernsehen zu diesem Thema verfolgt, muß zu einer anderen Überzeugung kommen. Vielleicht soll er es auch.

Die FR kommt lediglich zu dem Schluß, daß die Lage “unübersichtlich” ist und “vieles möglich scheint”. Die Medien müßten aber stets deutlich machen, wie wenig sie wissen, und daß “alle Informationen” mit Vorsicht zu genießen seien. Womit die FR bei mir offene Türen einrennt.

Steffen Hebestreit sei das Erlebnis seines britischen Kollegen Alex Thomson, Chefkorrespondent von Channel 4 News, nahegelegt. “Dead journos are bad for Damascus” – “Tote Journalisten sind nicht gut für Damaskus” – schreibt dieser in seinem Blog, und erhebt schwere Vorwürfe gegen die syrischen Rebellen. In der Nähe von Homs haben ihn “Rebellen” in eine Sackgasse geführt, als er hinter die Regierungslinien zurückkehren wollte. Offensichtlich damit er von syrischen Regierungstruppen erschossen würde. “I’m quite clear the rebels deliberately set us up to be shot by the Syrian Army.” Tatsächlich fiel dann auch ein Schuß, Thomson und seine Kollegen konnten aber fliehen. Aus einem Tweet auf diesen Artikel wird zudem deutlich, daß Thomson nicht der einzige ist, dem eine solche Hinterhältigkeit widerfahren ist.

Tote Journalisten sind nicht gut für Damaskus, Massaker an Zivilisten auch nicht. Für wen aber dann?

Klaus Wallmann sen.


Stichworte: Journalismus, Journalist, Krieg, Massaker, Medien, Mord, Propaganda, Regierung, Staat, Syrien, Tote

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Thema: Medien, Politik | Keine Kommentare »
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