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Deutsche Banken und Versicherer profitieren vom weltweiten Hunger

Von Gastautor | 14. Mai 2012

Eine Studie der Hilfsorganisation “Oxfam” deckte auf, dass der Versicherungskonzern Allianz bei der weltweiten Spekulation mit Nahrungsmitteln den Spitzenplatz mit 6,2 Milliarden Euro einnimmt. Insgesamt halten deutsche Banken und Finanzkonzerne mit 14 Milliarden Euro ein Sechstel des weltweit geschätzten Anlagevolumens in Agrarrohstoffen von insgesamt 68,8 Milliarden Euro. In fünf Fonds setzt Allianz über die zum Konzern gehörende Kapitalanlage-Gesellschaft Pimco auf steigende Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse.

An den Warenterminbörsen wird mit Grundnahrungsmitteln gehandelt und der Preis festgelegt. Das Volumen dieses Handels geht weit über die jährliche Produktion hinaus. Diese Spekulation führt zu immer höheren Lebensmittelpreisen, die mit dem tatsächlichen Bedarf oder der tatsächlich vorhandenen Menge des jeweiligen Nahrungsmittels nichts zu tun haben. So sind heute die Nahrungsmittelpreise so hoch wie nie in der Geschichte der Menschheit. Wie bereits Anfang 2011, obwohl die Preise zwischenzeitlich etwas gefallen waren. Zwischen 2003 und 2008 sind die Investitionen in die beiden größten Rohstoff-Indexfonds von 13 auf 317 Milliarden US-Dollar gestiegen.

Die Spekulanten behaupten, die steigenden Preise bei Nahrungsmitteln seien auf das Bevölkerungswachstum, eine stärkere Nachfrage, den Klimawandel und auf Korruption zurückzuführen. Sie setzen darauf, dass die komplexen Mechanismen des Finanzmarkts schwer durchschaubar sind. Die Lebensmittelversorgung wird aber nicht als Grundbedürfnis der Weltbevölkerung organisiert, sondern den riskanten Turbulenzen des Finanzmarkts untergeordnet.

Die Menschen in den neokolonial abhängigen Ländern müssen bis zu 90 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben. In der Sahelzone in Westafrika breitet sich aktuell eine große Hungersnot immer weiter aus: In der Region, die acht Länder umschließt, vom Tschad im Osten bis hin nach Senegal im Westen. Dazu gehören Mali, Burkina Faso, aber auch die nördlichen Regionen von Nigeria und Kamerun, sind bis zu 15 Prozent der Bevölkerung, darunter 1,5 Millionen Kinder schwer unterernährt.

Die Spekulation mit Nahrungsmitteln führt auch in Deutschland dazu, dass die Arbeitsbedingungen sowie die Löhne und Gehälter der Beschäftigten unter Druck geraten. So berichtet der NGG-Vorsitzende Franz-Josef Möllenberg, dass die Unternehmen der Ernährungswirtschaft die stark steigenden Preise für Nahrungsmittelrohstoffe durch verschärfte Ausbeutung auf ihre Beschäftigten abwälzen.

Es kursieren weltweit eine ganze Reihe von Vorschlägen, wie das Problem des Hungers infolge Spekulation in den Griff zu bekommen sei. Alle laufen darauf hinaus, die kapitalistische Spekulation “zähmen” zu wollen. So fordert die “Welthungerhilfe” “verbindliche Regeln für den Handel mit agrarrohstoffbasierten Finanzprodukten” und “mehr Transparenz” im Handel. Derartige Forderungen werden auch von einem Teil der bürgerlichen Politiker in der EU unterstützt, die eine Fluchtbewegung nach Europa und Hungerrevolten befürchten.

“Anfang 2011, als die Lebensmittelpreise erneut rapide stiegen, entwickelten sich in Algerien, Jordanien, Ägypten, Jemen und Tunesien erneut Massendemonstrationen und Streiks gegen die Regierung. Sie nahmen die Form eines länderübergreifenden, immer mehr arabische Länder erfassenden demokratischen Volksaufstands an, der in Tunesien, Ägypten und Jordanien zum Sturz der Regierung führte. … Die Häufung von Hungerrevolten ist eine neue Erscheinung in der historischen Umbruchphase vom Kapitalismus zum Sozialismus. Die Arbeiterklasse muss den Kampf gegen den Hunger (gegen dessen Ursachen – rz) in ihre Strategie und Taktik aufnehmen und das revolutionäre Potenzial der Kämpfe für die Höherentwicklung zum Kampf um den Sozialismus nutzen.” (Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution, Seite 334)

Quelle: rf news online, 13.05.2012


Stichworte: Bank, Börse, Deutsche Bank, Ernährung, Hunger, Kapital, Kapitalismus, Kapitalist, Klima, Klimawandel, Konzerne, Landwirtschaft, Lebensmittel, Nahrung, Nahrungsmittel, Oxfam, Preise, Profit, Spekulation, Versicherung, Welthungerhilfe

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