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Ein bürgerlicher Ökonom fordert die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich

Von Klaus Wallmann sen | 28. April 2012

Prof. Heinz-Josef Bontrup, ein gutbürgerlicher deutscher Arbeitsökonom und Wirtschaftsrechtler, fordert die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich – eine Forderung, die ich bisher nur bei der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) fand – und die “Welt” druckt diese Forderung ab!

Bontrup sagt noch mehr. Wie linke Gruppierungen und soziale Organisationen es schon länger machen, relativiert er den “Aufschwung” auf dem Arbeitsmarkt. “Dieser Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt war prekär. Jeder vierte abhängig Beschäftigte arbeitet schon im Niedriglohnsektor, das kann man kaum als Erfolg bezeichnen. Zugenommen haben Teilzeit- und geringfügige Beschäftigung.” Wohingegen seit 2000 die Zahl der unbefristeten Vollzeitstellen gesunken ist. Von einem “Beschäftigungswunder” könne gar nicht die Rede sein, “weil das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen der abhängig Beschäftigten nahezu unverändert geblieben ist”. Und er verweist auf ein “Überschussangebot” von rund vier Millionen “Arbeitskräften”, die daher arbeitslos sind.

Vor diesem Hintergrund fordert Bontrup eine “Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit”, wobei er darauf hinweist, daß es selbst dann noch immer eine Million arbeitsloser Menschen gäbe. Den Zeitpunkt hält der Professor deshalb für gekommen, weil die “Produktivität und die Preissteigerungsraten in der Industrie … in der Vergangenheit weit über den nominalen Lohnerhöhungen” lagen. Dadurch seien die “Stückgewinne” – also die Profite – sehr kräftig gestiegen. “Gewinne wurden nicht wieder in der Realwirtschaft investiert, sondern auf die Finanzmärkte gespült. Was dort damit passierte, ist hinlänglich bekannt.”

Durch die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich würde die Gewinnquote zwar leicht zurückgehen, so Bontrup, doch ein Problem für die deutschen Kapitalisten sieht er darin nicht. “Im Gegenteil. Die Arbeitslosigkeit würde dadurch abgebaut werden”, was auch dazu führen würde, daß der Staat – also der Steuerzahler – rund 60 Milliarden Euro bei den Kosten der Arbeitslosigkeit einspart.

All dies konnte man vor Prof. Bontrup schon in zahlreichen Beiträgen der “randzone”, wie auch auf vielen anderen Internetseiten lesen. Wenn nun ein gestandener bürgerlicher Wissenschaftler zu genau den gleichen Erkenntnissen kommt, so ist das bemerkenswert genug, darüber zu berichten. Zumal Bontrup als Mitglied der “Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik” keinesfalls eine “alternative Wirtschaftspolitik” anstrebt, die über den Rahmen des Kapitalismus hinausgeht.

Klaus Wallmann sen.


Stichworte: Arbeitslosigkeit, Arbeitszeit, Aufschwung, Kapital, Kapitalismus, Kapitalisten, Lohn, Lohnausgleich, Niedriglohn, Ökonom, Profit, Profite, Staat, Steuerzahler, Wirtschaft, Wissenschaft, Wissenschaftler

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Thema: Politik | 1 Kommentar »
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1 Kommentar zu “Ein bürgerlicher Ökonom fordert die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich”

  1. Michael Thuma meint:
    28. April 2012 um 21:54

    So einfach funktioniert es nicht, aber es steckt etwas Wahres in der Geschichte. Der Mainstream kann 30 Stunden denken und denkend arbeiten, Ausnahmetalente schaffen mehr. Das betrifft im weiteren Sinne Jobs bei denen Kreativität eine maßgebliche Rolle spielt, genauso wie Jobs die vorzüglich analytischen Inhalts sind. Sprich annähernd jeder Job in einem Unternehmen mit ERP und ansprechender Reporting Umgebung mit Analysemöglichkeit. Das ist eine Seite.

    Das Sozialisierungsverhalten spielt auch mit. Es gibt Leute die gerne 40 Stunden lang Arbeit machen die man auch in 10 bis 20 könnte erledigen. Jeder hat sein Tempo. Die Sicht sollte sein, Arbeit erledigt und ab nach Hause. Es ist nicht sinnvoll mehr als das notwendige Minimum zu arbeiten.

    Die ganze Diskussion ginge ja weiter. Wenn man Beitragsmonate auf Stunden umändert, dann könnte man relativ einfach auf Lebensarbeitszeit gerechnet viel flexibler in einem Korridor zwischen 35 und 45 Stunden je nach Leistungsfähigkeit im Alter weniger Stunden und Kindesziehung ginge auch einfacher, Altenpflege möglw. auch. Der 40 Stunden Raster verhindert viel. Der war sinnvoll bei einem niedrigen Grad der Automatisierung.

    Jetzt kommt es aber. Es ist so offensichtlich. Beim Versuch die 30 Stunden Jobs ins 40 Stunden Muster zu pressen werden Friktionen erzeugt, diese werden versucht über Kommunikation zu kompensieren. Das Ergebnis verbessert sich kaum, aber die 50 bis 60 Stunden Woche wird zu Regel. Der Schaden ist unermesslich. Inneffizenz der Kopplung über Kommunikation, sei es Meeting als synchrones Element …

    Könnte sich annähernd von selbst Finanzieren.

    Der 40 Stunden Raster ist das Problem. Es reicht eine besser bezahlte 30 Stunden Woche. Sei es mit 40 oder wie auch immer. Es gibt keine linearen Zusammenhang zwischen Anwesenheitsstunden und Ergebnis. Aber die Sicht den Mitarbeiter 40 Stunden auszupressen bringt auch nichts.

    35 Stunden sind kein Modell aber 30 das ginge.

    Wie weit das ganze mit Arbeitern in Produktionsumgebungen sich lässt umsetzen, in dem Punkt muss ich passen. Bei Handwerkern tue ich mir hart, das könnte man einen anderen Weg finden über Blocken und Abrechnung entlang eines Werkvertrages mit dem Kunden.

    In Deutschland tue ich mir hart, ein Volk das man versucht über den Arbeitsbegriff zu kollektivieren stürzt in die Sinnkrise? – Glaube ich nicht. Es ist auf jeden Fall besser 30 Stunden ordentlich ausgefüllt und erfüllt zu arbeiten als subventionierte Jobs. Das kann temporär Sinn machen über ein paar Jahre, aber so wie die Konjunktur sich entwickelt, Umstellen wird es jetzt keiner, aber die Chance wächst das es bald kann passieren.

    Weniger zahlen bringt wenig, die Produktivtätsgewinne werden sowieso über Steuern/Zinsen und Gewinn abgezogen über den Finanzkreislauf ins Finanzsystem.

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