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“Solidarpakt”: Zur Situation in Ostdeutschland

Von Gastautor | 30. März 2012

Der Wirtschaftswissenschaftler Ulrich Blum nahm am Donnerstag im Interview mit der FAZ zur Situation in Ostdeutschland Stellung:

Es gibt ländliche Gegenden wie die Uckermark, die heute schon mit ländlichen Gegenden in Niedersachsen oder Rheinland-Pfalz vergleichbar sind. Dagegen haben die erfolgreichsten Städte im Osten wie Potsdam, Jena oder Dresden gegenüber Referenzstädten im Westen nicht aufgeholt, im Gegenteil, sie haben noch immer den größten Abstand. Düsseldorf etwa nimmt heute ein Vielfaches an Steuern ein wie das etwa gleich große Dresden. (…)

Hätte die Treuhand bei der Privatisierung der großen Kombinate nicht zugleich die innerostdeutschen Lieferverflechtungen zerstört, wäre die Lage heute eine andere. So aber existieren heute im Osten eine überwiegend kleinteilige und zulieferorientierte Industrie sowie verlängerte Werkbänke internationaler Unternehmen. Es gibt hier keine einzige Führungszentrale eines Konzerns oder eines großen DAX-Unternehmens. Diese Zentralen machen aber gut ein Drittel der Wertschöpfung aus, weil dort Forscher, Entwickler und Manager mit hohen Löhnen arbeiten. (…)

Ein Beispiel: In Mosel bei Zwickau befindet sich das produktivste deutsche Werk des VW-Konzerns. Die dort hergestellten Autos werden aber über Wolfsburg abgerechnet. (…)

Nehmen Sie die Erbschaftsteuer, da nimmt der Osten heute fünf Euro, der Westen jedoch 55 Euro je Einwohner ein. Die Schere wird sich in den kommenden Jahren noch weiter öffnen, weil große Teile Ostdeutschlands im Westen vererbt werden und die Erbschaftsteuer am Wohnort des Erbenden anfällt. (…)

Zudem werden die Transferzahlungen längst kompensiert. Rund die Hälfte davon tragen die Ostdeutschen, die im Westen arbeiten, mit ihren Steuern und Sozialabgaben selbst. Die andere Hälfte wird durch das zusätzliche Wachstum im Westen generiert, denn westdeutsche Unternehmen verkaufen im Osten wesentlich mehr als umgekehrt.

(West-)Deutschland verdient heute an der Einheit. (…)

Quelle: jungeWelt, 30.03.2012


Stichworte: Deutschland, Einheit, Konzern, Löhne, Pakt, Privatisierung, Sozialabgaben, Steuern, Wachstum, Wirtschaft

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