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“Entwarnung” am Arbeitsmarkt? Massenarbeitslosigkeit nimmt weltweit zu

Von Gastautor | 6. Februar 2012

Mit Meldungen, dass die offizielle Arbeitslosigkeit in Deutschland trotz erneutem Anstieg über 3 Millionen so niedrig wie seit 21 Jahren nicht mehr sei, wird in den letzten Wochen davon abgelenkt, dass die Weltwirtschaftkrise sich weiter vertieft – mit dramatischen Folgen für die Massen. Die “Internationale Arbeitsorganisation” (ILO) in Genf – eine Institution der UNO – hat in ihrem am 23. Januar veröffentlichten “Jahresbericht über globale Beschäftigungstrends 2012″ berichtet, dass weltweit 197 Millionen Menschen arbeitslos sind und 900 Millionen unterhalb der so genannten “Armutsschwelle” leben, also weniger als 2 Dollar pro Tag zum Leben haben.

Diese Zahl stützt sich auf die von den 183 ILO-Mitgliedsstaaten offiziell registrierten Arbeitslosen, die tatsächliche Zahl dürfte also erheblich höher liegen. Es sind dennoch 27 Millionen mehr registrierte Arbeitslose als 2007, dem Jahr vor Ausbruch der Weltwirtschafts- und Finanzkrise. “Jeder dritte Arbeitnehmer auf der Welt ist arbeitslos oder lebt trotz Arbeit in Armut”, erklärte ILO-Generaldirektor Juan Somavia. Tatsächlich hat die MLPD analysiert, dass keine Rede sein kann von einem Ende der Weltwirtschafts- und Finanzkrise und sich vielmehr ein erneuter tiefer Einbruch anbahnt.

In den Euroländern ist infolge der Weltwirtschafts- und Finanzkrise und der damit einhergehenden Krisenprogramme die Arbeitslosigkeit auf den höchsten Stand seit 13 Jahren gestiegen. Die ILO beklagt vor allem die hohe Jugendarbeitslosigkeit in den südeuropäischen Ländern, die unter anderem am stärksten von der Krise betroffen sind. Dass in Deutschland anders als in den meisten anderen Ländern die offizielle Arbeitslosigkeit in dieser Zeit gesunken ist, hat mehrere Gründe.

Zum einen profitierte die exportabhängige deutsche Wirtschaft stark von dem spekulativen, mit Auslandsinvestitionen und staatlichen Subventionen angeschobenen zeitweiligen Wirtschaftswachstum in Ländern wie China, Indien, Russland oder Brasilien. Vor allem wurde die offizielle Arbeitslosigkeit zugunsten eines starken Anstiegs der Unterbeschäftigung reduziert – immer mehr Niedriglohn-Arbeitsplätze, Leiharbeiter- und Teilzeitjobs führen dazu, dass viele Menschen von einer Arbeitsstelle überhaupt nicht mehr leben können. Sie sind gezwungen, mehrere Jobs anzunehmen oder mit Arbeitslosengeld II aufzustocken.

Auch die Statistiktricks zur Manipulation der offiziellen Arbeitslosenzahl werden ausgebaut. Im Mai 2009 kam eine weitere Methode hinzu: Wenn private Arbeitsvermittler tätig werden, zählt der von ihnen betreute Arbeitslose nicht mehr als arbeitslos, obwohl er keine Arbeit hat. Aus der offiziellen Statistik sind über eine Million Menschen verschwunden, im Dezember 2011 gab es, gestützt auf offizielle Zahlen, mindestens 1,02 Millionen nicht gezählter Arbeitsloser, darunter 163.842 Ein-Euro-Jobber und 359.190 Arbeitslose über 58 Jahren.

Dazu kommt, dass zu erwarten ist, dass auch die offizielle Zahl der Arbeitslosen künftig wieder kräftig ansteigen wird, wenn verstärkt Arbeitsplätze vernichtet und Massenentlassungen als Folge eines erneuten Krisenabsturzes nicht mehr so durch Maßnahmen wie Kurzarbeit usw. abgedämpft werden. Vergangenes Jahr gab es über 30.000 Firmenpleiten, darunter der weltweit führende Druckmaschinenhersteller Manroland, bei dem einigen tausend Kollegen gekündigt wurde. Nokia-Siemens Networks (NSN) will 2.900 Beschäftigte in Deutschland entlassen und weltweit 17.000 Arbeitsplätze vernichten. Auch von den ca. 30.000 Beschäftigten der Drogeriekette Schlecker dürften viele nach Ablauf der dreimonatigen Zahlung von Insolvenzgeld vor der Arbeitslosigkeit stehen.

Die Stahlarbeiter des Thyssen-Edelstahlbereichs haben mit ihren tagelangen selbständigen Streiks und Protestaktionen im Kampf um jeden Arbeitsplatz eine richtungsweisende Entscheidung getroffen. Angesichts der weltweit ansteigenden Arbeitslosigkeit ist es ein Signal zur Offensive gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf den Rücken der Werktätigen.

Quelle: rf news online, 05.02.2012


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