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Armutszeugnis in Sachen Familienpolitik

Von Gastautor | 12. Januar 2012

Am 9. Januar stellte sich Familienministerin Kristina Schröder (CDU) mit der Vorstellung des “Familienreports 2011″ selber ein Armutszeugnis in Sachen Familienpolitik aus. Jedes fünfte Kind lebt selbst nach diesen offiziellen Angaben im reichen Deutschland an oder unter der Armutsgrenze – betroffen sind vor allem Kinder Alleinerziehender oder von Familien mit mehr als zwei Kindern. In 52 Prozent der Familien (zu denen auch nicht verheiratete oder gleichgeschlechtliche Partnerschaften gezählt werden) sind beide Elternteile berufstätig. Allerdings immer noch mit ausgeprägten Unterschieden: 70 Prozent der erwerbstätigen Mütter arbeiten auf Teilzeitbasis, bei den Vätern sind das nur 6 Prozent.

Dabei wünscht sich ein großer Teil junger Eltern ein ganz anderes Arbeitszeitmodell: Die meisten Teilzeit arbeitenden Mütter würden gerne länger arbeiten, sie sind es ja auch, die die entsprechenden Nachteile bei Rentenansprüchen und möglicher Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen müssen. 60 Prozent der Väter würden dagegen gerne ihre Arbeitszeit reduzieren, um mehr Zeit mit den Kindern verbringen zu können. Das scheitert fast immer an den nach wie vor krassen Einkommensunterschieden zwischen Männern und Frauen.

Männer und Frauen erklärten übereinstimmend, dass sie die viel gepriesene “Vereinbarkeit von Familie und Beruf” für völlig unzureichend halten – und tatsächlich zeigt sich hier das Scheitern einer solchen “Vereinbarkeit” im Kapitalismus. Beide Elternteile würden jeweils am liebsten 25 bis 35 Stunden pro Woche erwerbstätig sein. Das ist ein wichtiges Argument, den gewerkschaftlichen Kampf für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich verstärkt aufzugreifen.

Seit Jahresanfang besteht ein Rechtsanspruch für Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren, denn die Monopole haben ein Interesse daran, immer mehr Frauen in die Berufstätigkeit einzubeziehen. Aber der Ausbau solcher Einrichtungen hinkt gewaltig nach. Mit dem zurecht als “Herdprämie” bezeichneten “Betreuungsgeld” will Kristina Schröder den zögerlichen Ausbau von Krippenplätzen rechtfertigen und gerade ärmere Familien bewegen, die Kinder zuhause zu betreuen. Damit wird Müttern die Berufstätigkeit und die mögliche frühe Förderung von Kindern erschwert.

35 Prozent der Mütter und Väter, deren Einkommen 130 Prozent und mehr des Durchschnitts beträgt, bringen ihre Kinder unter drei Jahren in eine Tageseinrichtung. In Familien, die nur 70 Prozent oder sogar weniger des Durchschnittseinkommens zur Verfügung haben, nutzen nur 18 Prozent der Kinder einen Krippenplatz. Selbst wenn sie dort weniger Beiträge zahlen müssen als höher eingestufte Familien. “Sie fürchten, dass bei einem Krippenbesuch Kosten für Essen, Ausflüge und Gruppenkassen anfallen”, heißt es in dem Bericht – ohne Konsequenzen zu ziehen.

Die Forderung nach einer flächendeckenden, kostenlosen und hochwertigen Ganztagsbetreuung vom Kleinkindalter an gehört auf die Tagesordnung!

Quelle: rf news online, 11.01.2011


Stichworte: Armut, Armutsgrenze, Betreuungsgeld, Eltern, Familie, Familienminister, Familienpolitik, Frauen, Kapitalismus, Kinder, Schröder

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