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Wulff: Gelogen?

Von Klaus Wallmann sen | 5. Januar 2012

Ihm blieb nichts anderes übrig und sicher wurde er auch von seinen “Kollegen”, allen voran Bundeskanzlerin Merkel (CDU), heftig dazu gedrängt. Also erklärte sich Bundespräsident Wulff bereit, dem Staatsfernsehen Rede und Antwort zu stehen, nachdem noch kurz davor öffentliche Rückendeckung von Merkel und Seehofer erfolgte. Jedem, der im vergangenen Jahr den sukzessiven Abtritt des geölten Freiherrn verfolgt hat, mußte das gestern stattgefundene Interview von ARD und ZDF wie ein Déjà-vu vorgekommen sein.

Dieses Exklusivinterview selbst führte sogleich zu Protesten sowohl der Privatsender wie auch des Deutschen Journalisten-Verbands. Während letzterer anmerkte, daß Wulff den offensichtlichen Dissens zwischen seinen öffentlichen Bekenntnissen zur Pressefreiheit und seinen Interventionen gegen unliebsame Berichterstattung nur dann glaubhaft klären könne, wenn er sich allen Medienvertretern stelle, klagte im Namen der konkurrierenden Privaten n-tv über deren Benachteiligung, was als weiterer “Fehler” charakterisiert wird.

Zu den vorangegangenen “Fehlern” äußerte sich Wulff im Interview, wobei er sich auch der von einigen Kirchenmännern und der Politikberaterin Höhler empfohlenen Taktik bediente, doch bitte als “reuiger Sünder” aufzutreten und “Demut” zu zeigen. Dennoch denkt Wulff nicht an Rücktritt, hat er sich nach eigener Ansicht und strafrechtlich gesehen doch nichts vorzuwerfen. Vom partei- und machttaktischen Kalkül schweigt man natürlich diskret.

Während CDU-Generalsekretär Gröhe nach dem Interview erfreut konstatierte, daß Wulff mit seinem Interview alles richtig gemacht habe, und hoffnungsvoll söderte, daß die Bevölkerung Deutschlands jetzt wieder Vertrauen zu ihm fassen werde, lassen weder Kritik noch Spott und Häme nach. Wie Grünen-Fraktionschefin Künast dürften sich die Menschen mehr erhofft haben. Nur über seine Gefühle zu sprechen und keine der relevanten Fragen zu beantworten, das reiche nicht aus. Ähnlich der SPD-Fraktionsvize Heil. LINKE-Vorsitzende Lötzsch entdeckte beim Bundespräsidenten gar ein “gestörtes Verhältnis zur Presse, zur Wahrheit und zum Geld”.

In Sachen Wahrheit fällt ihm seine Aussage zu seinen “Drohanrufen” bei BILD schon einen Tag später auf die Füße. Der stellvertretende Chefredakteur der Zeitung, Nikolaus Blome, bezichtigt ihn schlicht der Lüge. Seiner Ansicht nach wollte Wulff die Berichterstattung zum Hauskredit komplett verhindern, nicht nur “verschieben”, wie es Wulff im Interview behauptete: “… es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden”. Die BILD-Zeitung wartet nun auf die Genehmigung des Bundespräsidenten, den Mitschnitt seines Anrufs veröffentlichen zu dürfen …

Darauf will die Veranstaltungsplattform “Creative Lobby of Future” (CLoF) aber offensichtlich nicht mehr warten. Ihr Pressesprecher Jürgen Jänen erklärt heute in der “jungeWelt”, daß am Samstag um 17 Uhr eine Aktion gegen Wulff vor dem Schloß Bellevue in Berlin stattfindet. Die Teilnehmer sollen dem “ersten Mann im Staat” die Schuhe zeigen – eine Geste aus dem arabischen Raum, die tieftste Verachtung ausdrückt. Jänen macht klar, daß es nicht der Hauskredit ist, der im Vordergrund steht, sondern Wulffs Versuch das Grundrecht auf Pressefreiheit mit Füßen zu treten. Daneben steht die Doppelmoral des Bundespräsidenten, der einst den Bundespräsidenten Rau und den den früheren Ministerpräsidenten Niedersachsens, Gerhard Glogowski (beide SPD), zum Rücktritt aufforderte, obwohl diese weit weniger gegen demokratische Grundsätze verstoßen hätten.

Klaus Wallmann sen.


Stichworte: BILD, Bundespräsident, CDU, Interview, Journalisten, Lüge, Macht, Medien, Moral, Presse, Pressefreiheit, Proteste, Rücktritt, Staat, Wulff

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Thema: Medien, Politik | Keine Kommentare »
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