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Opel: Tabubruch der betriebsbedingten Kündigungen “muss politisch ausgetragen werden”

Von Gastautor | 16. September 2011

Zur Betriebsversammlung bei Opel in Bochum kamen am Montag rund 2.000 Kolleginnen und Kollegen. Es war die erste, seitdem erstmals in der Autoindustrie 75 betriebsbedingte Änderungskündigungen gegen Stammbeschäftige ausgesprochen wurden. Ein Korrespondent berichtet:

Vor der Halle hatten sich Kollegen, Vertrauensleute und Betriebsräte versammelt. Es hingen Transparente und ein Sarg war aufgebaut. Der Sprecher der Bochumer Montagsdemo übergab an den Betriebsratsvorsitzenden die ersten Protestunterschriften. An den Zufahrten wurden ‘Rote Fahnen’ verkauft, der ICOR-Aufruf verteilt und das Buch ‘Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution’ angeboten. Kollegen der kämpferischen Betriebsratsinitiative ‘Offensiv’ ergriffen die Initiative für ein Offenes Mikrofon. Es sprachen Vertrauensleute, direkt von der Kündigung Betroffene, Ulrich Achenbach von der Montagsdemo Bochum, Jupp Eicker von der MLPD Nordrhein-Westfalen. Viel beachtet der Redebeitrag des Betriebsratsvorsitzenden des Opel-Zulieferers Johnson Controls, Dietmar Kupfer, der eine Solidaritätserklärung überbrachte.

Die Versammlung begann mit dem Einmarsch (mit Sarg) von Vertrauensleuten, Betriebsräten und gekündigten Kollegen. Alle mit gelben T-Shirts ‘Jeder kann der Nächste sein. Opelaner gegen Kündigungen’. In seiner kämpferisch gehaltenen Rede forderte der Betriebratsvorsitzende Rainer Einenkel: ‘Die Kündigungen müssen vom Tisch.’ Er argumentierte in erster Linie damit, dass die Sozialauswahl ungerecht, die Kündigungen unbegründet wären. Er orientierte auf die anstehenden Klagen: ‘Wir werden gewinnen.’ Er betonte auch, welche große Ausstrahlung der Kampf der Opel-Arbeiter hat: ‘Von Flensburg bis Garmisch wird über Opel diskutiert, sogar in Jamaika sprechen sie von den Compagneros aus Bochum. Die Öffentlichkeit ist auf unser Seite.’

Holger Kimmes von der Konzernleitung und Werksleiter Manfred Gellrich hielten kurze Beiträge, in denen sie auf der Umsetzung der Arbeitsplatzvernichtung bestanden. ‘Es geht um mehr als die 75, im Getriebebau müssen auch noch 300 Arbeitsplätze bis 2013 abgebaut werden. Nur die Wettbewerbsfähigkeit sichert unser Überleben.’ Für diese Aussagen gab es einiges an Pfiffen. Empört forderten Zwischenrufe: ‘Er soll doch seine 155 Prozent Bonus abgeben’ oder ‘Du kannst schon mal Probeliegen im Sarg’.

An den Saalmikrofonen gab es heftige Kritiken an der Arbeitsplatzvernichtung und den katastrophalen Auswirkungen auf das Werk, wo Arbeitshetze, Chaos und Überstunden auf der Tagesordnung sind. In den Beiträgen wurde unter anderem betont: ‘Wir sind nicht alleine im Konzern. In vielen Werken wie GM Straßburg, Brasilien gab es Streiks und Proteste.’ Ein Betroffener: ‘Respekt an die ganze Belegschaft, dass wir hier Widerstand geleistet haben und leisten. Ich werde meinen Arbeitsplatz nicht aufgeben.’ Ein Vertrauensmann: ‘Es gibt keinen ‚Personalüberhang’, es geht mit den 75 um den Tabubruch. Das muss politisch ausgetragen werden, das geht vor Gericht nicht. Es geht gegen den ganzen Verzicht und die Lügen der letzten Jahre und dass wie mehr Lohn brauchen wie es auch andere Belegschaften fordern.’ Ein Azubi sagte: ‘Vollen Respekt für die Belegschaft. Es geht damit auch um unsere Arbeitsplätze in der Zukunft. Unseren neuen Azubis können stolz sein, Teil dieser Belegschaft zu sein.’

In seiner Entgegnung gab Gellrich allen Ernstes dem Urlaub einiger Kollegen die Schuld für die Personalprobleme. Gelächter in der ganzen Halle. Er versuchte auch die Belegschaft einzuschüchtern: ‘Sehen sie diesen Nagel. Was ich hier gehört habe an Vorschlägen, das kann der Nagel in den Sarg sein.’

Das trug dazu bei, dass auf der Versammlung die Fronten klarer wurden. Die Stimmung war selbstbewusster und kämpferischer. Die Diskussionen drehen sich meistens um die Frage eines neuen Streiks. Es ist sicher noch einiges an Auseinandersetzung nötig, um so eine Entscheidung zu treffen.

Quelle: rf news online, 15.09.2011, Korrespondenz


Stichworte: Arbeitsplätze, Arbeitsplatzvernichtung, Betriebsrat, Bochum, GM, Kampf, Kündigung, Opel, Solidarität, Vertrauensleute, Widerstand

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