Navigation

Artikel

TOP 50

Archiv

Notwendiges


« | START | »

Goldsuche statt Lohnerhöhung?

Von Gastautor | 21. Juli 2011

Nur einen Tag nach dem Bekanntwerden dramatischer Zahlen zur Lohnentwicklung in Deutschland hat die „Bild“ bereits die passende Titelzeile parat: „Wo finde ich in Deutschland noch Gold?“ Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kam zu dem Ergebnis, dass die durchschnittlichen Nettogehälter in den letzten 10 Jahren um 2,5% gesunken sind. Noch im Jahr 2000 lag das durchschnittliche Nettoeinkommen bei 1.429 Euro. Heute beträgt es nur noch 1.394 Euro.

Besonders gravierend sind die realen Lohneinbußen bei den Nettoeinkommen unter 1.420 Euro. Sie sanken im Schnitt preisbereinigt um 16 bis 22%. Wer 2000 noch einen Lohn von 1.073 € hatte, muss heute von 963 € leben. Die Ursachen sind vielfältig, analysierte die Abteilung für Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit beim Zentralkomitee der MLPD. „Die Hartz-Gesetze der Schröder/Fischer-Regierung haben den Unternehmen das entscheidende Druckmittel gegeben, die Löhne zu senken. Mit zahlreichen sogenannten ‚Zukunftsverträgen’ werden die Kolleginnen und Kollegen zu Lohnverzicht erpresst. Auch das sogenannte Einkommensrahmenabkommen (ERA) führte insgesamt zu Lohneinbußen in der Metall- und Elektroindustrie.“ Das ist Thema auch in den Betrieben. So forderte die Redaktion Infineon München der Kollegenzeitung “Elektropower”: “Weg mit dem ERA-Tarifvertrag! Gemeinsam um höhere Eingruppierungen und um höhere Löhne kämpfen!” Ein weiterer Faktor ist die schlechtere Bezahlung von Zeit- und Leiharbeitern. Heute liegt die Zahl der Zeit-Arbeiter auf Rekordniveau mit 742.000 und um 32,5% höher als 2009.

„Sinkende Löhne sind kein Schicksalsschlag“, so die MLPD, „sondern bewusste Politik der Konzerne und Regierung, um die Ausbeutung zu steigern. Man muss wissen, dass die Produktivität eines Industriearbeiters in den letzten 10 Jahren um durchschnittlich über 30 Prozent gestiegen ist. Viele große Monopole liegen noch weit darüber. Das heißt, die Kolleginnen und Kollegen verdienen heute weniger, obwohl sie viel mehr produzieren.“ Monika Kuske von der MLPD in Sachsen-Anhalt berichtet, dass „die Lohnfrage stark im Zentrum des Interesses der Kollegen steht. Damit gibt es auch eine Belebung der gewerkschaftlichen Arbeit, was wir außerordentlich begrüßen.“ Am stärksten betroffen sind die Arbeiterinnen und Arbeiter mit den niedrigsten Einkommen. Gesunken sind aber alle Löhne bis zu einer Höhe bis über 3.400 Euro. Ab dieser Höhe stiegen die Löhne um 1%.

Es gibt allerdings eine Gruppe der Gesellschaft, die sich über sinkende Einkommen nicht beklagen kann. Die 30 größten Familienunternehmen steigerten ihren Umsatz allein 2010 um 14% auf 709 Milliarden Euro. Dicht gefolgt von den größten Monopolen, die ihren Umsatz um 10% steigerten auf 750 Milliarden Euro. Überhaupt geht es in Deutschland bergauf für die Reichen. Über 62.000 Millionäre kamen 2010 in Deutschland neu hinzu, jetzt sind es 924.000. Alles Ergebnis der Goldsuche oder doch eher der Ausbeutung der Arbeitskraft anderer Menschen?

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, selbständig in den Abteilungen, in den Betrieben und den Konzernen Lohnnachschlagsforderungen zu stellen und dafür aktiv zu werden. Die „Rote Fahne“ Printausgabe wird in der Woche 30 einen besonderen Schwerpunkt auf die Lohnfrage legen- ein Probeabo kann hier bestellt werden.

Quelle: rf news online, 20.07.2011


Stichworte: Arbeiter, Arbeitskraft, Ausbeutung, BILD, Einkommen, Leiharbeit, Leiharbeiter, Lohn, Löhne, Lohnerhöhung, Lohnverzicht, Millionäre, Monopole, Regierung

Verwandte Artikel

Thema: Politik | Keine Kommentare »
Pings sind abgeschaltet.

Druckversion Druckversion

· read: 305 · today: 2 · last: 23. Juli 2014

Kommentare